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In den Stadtrat gegen Einsamkeit

Dauerhafte Einsamkeit ist ebenso gefährlich wie 15 Zigaretten am Tag und doppelt so gefährlich wie Fettleibigkeit. Der Buchtitel des deutschen Hirnforschers Gerald Hüther bringt es auf den Punkt: Lieblosigkeit macht krank. Denn wir Menschen sind soziale Wesen und auf ein soziales Miteinander angewiesen. Ist es nur begrenzt zugänglich oder fehlt ganz, hat dies katastrophale gesundheitliche Folgen: psychisch und physisch.


Die Alten

Beim Thema Einsamkeit denken wir natürlich zuerst an Senioren. Während noch vor ein paar Generationen alte Menschen in Mehr-Generationen-Häusern lebten und von ihren Familien betreut wurden, zeichnet unsere Gesellschaft ein trostloseres Bild davon, was es heißt, älter zu werden: In Altersresidenzen sind unsere Großmütter und -väter zwar mit allem Materiellen versorgt, doch soziale Interaktion findet nur begrenzt statt. Viele alte Menschen leiden in den letzten Jahren ihres Lebens an Einsamkeit, vor dem Fernseher abgestellt, auf den Tod wartend.


Die Jungen

Wer das Thema Einsamkeit dabei ausschließlich zu einem Thema alter Menschen macht, liegt jedoch falsch. Die Tatsache, dass wir im Internet-Zeitalter leben und noch nie so vernetzt gewesen sind wie heute, darf uns nicht täuschen. Denn Vernetzung ersetzt nicht Begegnung. "Freunde" auf Facebook und Follower bei TikTok oder Instagram sind kein Ersatz für die direkte Begegnung und den Austausch zweier Personen im gleichen Raum. Likes können nicht die spürbare Umarmung und das direkte Zuhören ohne Ablenkung ersetzen. Auch die Generation Z hat vermehrt mit dem Problem der Einsamkeit zu kämpfen, worin wohl einer der Gründe für die moderne "Mental Health Crisis" zu finden ist.

Uns muss bewusst werden: Die kurzen Dopamin-Kicks durch Likes, Videospiele und Serien-Binge-Watching hinterlassen uns leer und unerfüllt. Nichts kann direkte menschliche Begegnung ersetzen. Dieses Problem ist kein Neues, auch wenn es durch die Corona-Krise und die belastenden Lockdown-Erfahrungen an Brisanz gewonnen hat.


Gemeinsam Füreinander

In unserer Stadt gibt es bereits gute Initiativen und Einrichtungen, die einen großen Beitrag zur Begegnung leisten. Christliche Kirchen und Gemeinden sind bereits Orte der Begegnung. Jugendhäuser und Sportstätten führen Menschen zusammen und leisten so einen großen Dienst für unsere Gesellschaft. Ausdrücklich zu nennen sind die Besuchsdienste der Diakonie und anderer Einrichtungen, in denen Ehrenamtliche in ihrer Freizeit einsame Menschen besuchen und mit ihnen Zeit verbringen. In Mehr-Generationen-Wohnprojekten kehren Frauen, Männer und Familien bewusst zu dieser Art des Zusammenlebens zurück. Zwar ist dies eine weniger individuelle Lebensart, aber sozial nachhaltig und deshalb erfüllend.

Über drei Jahre verbrachte ich wöchentlich drei Nachmittage im Begegnungstreff am (damaligen Kriminalitätsschwerpunkt) Amalie-Dietrich-Platz. Es war eine Freude zu sehen, wie Menschen aufblühen, wenn man sich Zeit für sie nimmt.

All diese Initiativen fußen auf dem Engagement unzähliger ehrenamtlicher Mitarbeiter.


In den Stadtrat gegen Einsamkeit

Am 9. Juni trete ich zur sächsischen Kommunalwahl an. Als Stadtrat möchte ich:

  • Über die Folgen von Einsamkeit aufklären und diese Problematik öffentlich thematisieren.

  • Vereine und Initiativen, die sich gegen Einsamkeit engagieren, unterstützen und vernetzen.

  • Weitere Orte der Begegnung schaffen (z.B  Installation von öffentlichen Schachtischen)


Die Linderung dieser Not ist das Gebot der Stunde. Doch handelt es sich dabei um eine gemeinschaftliche Aufgabe, die wir nur mit vereinten Kräften voranbringen können, was damit, ganz nebenbei, auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.


"Alles wirkliche Leben ist Begegnung."

- Martin Buber, jüdischer Philosoph


Quellen:

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